Sonntag, 1. Dezember 2013

Erfahrungen des Integrierten Projektteams (IPT )

MarineForum, November 2013
Verfasser: Rudolf Braun, -->LINK

„Auftrag erfüllt!“, so könnte man die Arbeit des Integrierten Projektteams in der Analysephase Teil 1 zusammenfassen, nachdem der Generalinspekteur der Bundeswehr am 25. März 2013 das Dokument „Fähigkeitslücke und Funktionale Forderung“ (FFF) für das Pilotprojekt MKS 180 des Customer Produkt Management (nov.) gebilligt hat. Sicherlich noch kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen, aber doch Grund genug, kurz innezuhalten und erste Erfahrungen in der Anwendung des CPM (nov.) zu analysieren.

Aufgaben

Aufgabe des IPT in der Analysephase Teil 1 war das Formulieren funktionaler Forderungen im engen Zusammenwirken zwischen dem Planungsamt der Bundeswehr (PlgABw), dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und dem Marinekommando (MarKdo) als Vertreter des künftigen Nutzers/Betreibers unter Einbindung des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) zur frühzeitigen Berücksichtigung infrastruktureller Belange. Kern der funktionalen Forderungen ist ein priorisierter Forderungskatalog, der alle fähigkeits-bestimmenden Leistungsparameter und weitere aus den Einsatz- und Nutzungsbedingungen abgeleiteten Eigenschaften gegeneinander gewichtet und mit klar definierten und objektiv prüfbaren Kriterien hinterlegt. Für die Priorisierung der funktionalen Forderungen wurden zunächst, von den Einsatzszenarien her kommend, die Funktions- und Gebrauchsmerkmale nach den Fähigkeitsdomänen Führung – Aufklärung – Wirkung – Unterstützung abgeleitet. Basierend auf hinreichend präzise formulierten Einsatz- und  Nutzungsbedingungen sowie auf dem daraus abgeleiteten Nutzungsprofil erfolgte eine Gewichtung der einzelnen Forderung, die deren Beitrag zur Erfüllung einer Fähigkeit verdeutlicht. Forderungen, die bei Nichterfüllung ein Abbruchkriterium darstellen, wurden aufgrund ihres Stellenwertes gesondert ausgewiesen.


Der priorisierte Forderungskatalog umfasst für das Projekt MKS 180 insgesamt ca. 250 Forderungen, die nach funktionalen Kriterien gegliedert und gegeneinander gewichtet wurden. Die Gliederung des Forderungskatalogs erfolgte in einer Baumstruktur, die sich in die Teilbäume „Funktionalität“ und „Betreibbarkeit im Gesamtsystem Bundeswehr“ aufteilt (s. Grafik S. 28). Neben dieser Gewichtung wurde unter Beteiligung externer  Unterstützung durch das Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) und der Marine Technik Gesellschaft (MTG) zusätzlich eine Priorisierung erarbeitet, die von kritischen Forderungen bis hin zu „Kann-Forderungen“ einen Bewertungsmaßstab zur Erfüllung der Forderungen bildet. Diese Struktur bildet die Grundlage für die Bewertung möglicher Lösungen im Hinblick auf die Ermittlung des Erfüllungsgrades der funktionalen Forderungen in der Analysephase Teil 2. 

Die Erfahrungen im „Integrierten Projektteam“ bei der Durchführung dieser Arbeiten waren geprägt durch die Ausrichtung der Mitglieder an einem gemeinsamen Ziel: „Die lösungsneutrale Formulierung funktionaler Forderungen sowie deren Priorisierung und Gewichtung“. Die Bündelung der vorhandenen Kapazitäten führte dabei zu einem Höchstmaß an Transparenz in der Zusammenarbeit und der Ausbildung effizienter  Kommunikations-strukturen. Mit Augenmaß wurden die Forderungen formuliert und deren Beitrag an der zu schließenden Fähigkeitslücke durch ein permanentes Forderungscontrolling mit dem angestrebten Zeit- und Kostenrahmen in Einklang gebracht. Der Anspruch auf den Verzicht aufwendiger Mitzeichnungsgänge führte bei den Mitgliedern des IPT dazu, dass diese die Position ihres Verantwortungsbereiches in den Entscheidungsprozess einbrachten und abschließend vertraten. Entscheidungen wurden im Konsens getroffen, da alle Beteiligten ein berechtigtes Interesse an transparenten Ergebnissen hatten.


Hier zeigte das im CPM (nov.) niedergelegte Prinzip des „Checks and Balances“ seine Wirkung: „Wer fordert, wählt aus und wer konzipiert, der realisiert.“ Das heißt, dass der Generalinspekteur der Bundeswehr, der die in Verantwortung des PlgABw erarbeiteten funktionalen Forderungen als Bestandteil der FFF MKS 180 gebilligt hat, ebenfalls die  Auswahlentscheidung trifft und das BAAINBw, welches die Lösungsvorschläge konzipiert, auch für deren  Realisierung verantwortlich ist. Die Implementierung dieses Prinzips führte durch eine ausgewogene gegenseitige Kontrolle dazu, dass Bedarfsforderungen, Möglichkeiten der Bedarfsdeckung und deren  Finanzierbarkeit in einem realistischen Verhältnis zueinanderstehen. 

Mit der „Fähigkeitslücke und Funktionalen Forderung“ (FFF) MKS 180 ist eine verlässliche Grundlage für die Durchführung der Analysephase Teil 2  erarbeitet worden, in der das BAAINBw die Leitung des Integrierten Projektteams übernommen hat. Der im novellierten CPM niedergelegte Quality Gate Prozess wurde mit dem Quality Gate 1 „Durchführung der Analysephase Teil 2 ist initialisiert“ begonnen.  Hierin wurde auch die weitere Vorgehensweise festgelegt. Danach werden in dieser Phase nun bis Ende 2014 mehrere Lösungsvorschläge auf der Grundlage neuer Produkte, verfügbarer Commercial-, Governmental- oder Military-off-the-shelf (CGM) Produkte sowie auf der Grundlage von Produktverbesserungen erarbeitet.
 
Durch die gewählte Struktur des priorisierten Forderungskatalogs und die vorgenommene Gewichtung und Priorisierung ist es möglich, einen spezifischen Erfüllungsgrad für den jeweiligen Lösungsvorschlag zu ermitteln. Auf dieser Basis werden zum einen Lösungsvorschläge erarbeitet, die eine hundertprozentige Forderungserfüllung gewährleisten. Zum anderen werden durch die Identifikation von Kostentreibern Lösungsvorschläge erarbeitet, die einen abgestuften Erfüllungsgrad mit entsprechenden Auswirkungen auf den Zeit- und Kostenrahmen ausweisen. Die Bandbreite der Lösungsvorschläge wird dabei lediglich durch die kritischen Forderungen des priorisierten Forderungskatalogs (nur ca. 16% aller Forderungen) und der Zulassungsfähigkeit des Produkts begrenzt.

Im Rahmen dieser Lösungsvorschläge werden: - der Erfüllungsgrad der funktionalen Forderungen nach Qualität und Quantität des priorisierten Forderungskatalogs bewertet und Auswirkungen auf den geforderten  Verwendungszweck dargestellt, - Risiken betrachtet und Auswirkungen auf die Realisierung und Nutzung aufgezeigt, - der Zeit- und Finanzbedarf für Realisierung und Nutzung über den vorgesehenen Lebensweg prognostiziert und - Lebenswegkosten (LCC) abgeschätzt. 

Parallel zur Begleitung der hierzu beauftragten Studien wird das Integrierte Projektteam MKS 180 die  funktionalen Forderungen in technisch-funktionale Leistungswerte umsetzen und weiter detaillieren. Damit wird ein durchgängiges Requirement Engineering sichergestellt und eine hohe „Kundenzufriedenheit“ unterstützt. Ebenso werden die Einsatz- und Nutzungs-bedingungen weiter detailliert, sodass auf dieser Basis eine Ableitung der Prüffälle für die Integrierte Nachweisführung möglich ist.



Fazit 

Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich das Integrierte Projektteam MKS 180 den Herausforderungen bei der Implementierung eines neuen Ausrüstungs- und Nutzungs-managements erfolgreich gestellt hat. Mit der Einnahme der neuen Strukturen und der Inkraftsetzung des novellierten CPM wurde ein erster Schritt in die Richtung der Implementierung des neuen Ausrüstungs- und Nutzungsprozesses vollbracht. Dies ist aber erst der Anfang eines langen Weges, bei dem es vor allem gilt, die in den Projekten gewonnenen Erfahrungen mit der Umsetzung des neuen Prozesses gezielt und strukturiert aufzugreifen und zu dessen Weiterentwicklung zu nutzen. Das Pilotprojekt MKS 180 leistet hierzu weiterhin seinen Beitrag.

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