Mittwoch, 23. Juni 2010

Vorzeitiger Abschied von den Schnellbooten.

Kieler Nachrichten Online, 23.06.2010
Verfasser: Frank Behling, -->LINK

Die Ära der deutschen Schnellboote, beheimatet in Warnemünde, wird schneller als geplant zu Ende gehen.

Kiel/Djibouti - Wenn Karl-Theodor zu Guttenberg heute in Djibouti die Fregatte „Schleswig-Holstein“ besucht, wird es keine leichte Visite. Auch bei den Soldaten am Horn von Afrika sind die Nachrichten zu den Sparplänen aus der Heimat längst angekommen und sorgen für Gesprächsstoff. Immerhin ist auch die „Schleswig-Holstein“ betroffen. Die Mitte der 90er Jahre zur Bekämpfung sowjetischer Atom-U-Boote gebaute Fregatte sollte eigentlich längst an die neuen Einsatz-Anforderungen angepasst werden. Das Geld für den Umbau wurde aber gerade gestrichen.

Wie so vieles in der Marine. Die Ersten, die die Änderungen mit voller Wucht zu spüren bekamen, waren die U-Bootfahrer. Sechs Boote der Klasse 206A wurden aus der Fahrbereitschaft genommen. Ganz oben auf der Streichliste stehen jetzt die zehn letzten Schnellboote der Klasse 143A. Der Plan, das 7. Schnellbootgeschwader bis zur Ablösung durch Korvetten der Klasse K131 etwa 2016/2017 in der Flotte zu behalten, wird gestrichen. Auch das Projekt K131 wird gestrichen.

Massive Einschnitte wird es auch bei den Fregatten geben. Die acht Fregatten der „Bremen“-Klasse (Klasse 122) werden auf keinen Fall bis zur Indienststellung der als Ersatz vorgesehenen vier Schiffe der Klasse 125 in Fahrt bleiben. Zwei Fregatten sind bereits nicht mehr voll einsatzbereit.

Wenn der Personalbestand der Flotte tatsächlich halbiert wird, werden nicht nur Schiffe und Boote in großem Umfang ausgesondert, sondern auch Stützpunkte geschlossen. Die Marine ist in Schleswig-Holstein gegenwärtig in Kiel, Eckernförde, Glücksburg, Plön und Neustadt präsent. Welche Standorte es wie trifft, ist offen.

Dass es Veränderungen geben wird, dementiert aber auch der scheidende Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Hans-Joachim Stricker, nicht. Er setzt bei der Zukunftsplanung zunächst auf die Fähigkeiten, die eine Marine zukünftig abdecken soll. „Über Standorte wird da zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht gesprochen“, so Stricker am Rande der Kieler Woche.

Die Einschnitte betreffen nicht nur Soldaten, sondern auch die zivilen Einrichtungen. Den beiden Marinearsenalen in Wilhelmshaven und Kiel brechen bei der Halbierung der Flotte auch massiv Aufgaben weg. Die Stilllegung der U- und Schnellboote sowie die Kürzung des Korvetten-Programms betrifft besonders den Kieler Betrieb. Das U-Boot-Druckdock wird nicht mehr benötigt. Das neue Schwimmdock „B“ soll von Kiel nach Wilhelmshaven verlegt werden.

Wenn die Zielstruktur von 9000 Dienstposten Realität werden würde, wird die Deutsche Marine erstmals kleiner als die der Niederlande (10000 Dienstposten).

Eckpunkte der zukünftigen Struktur sollen bereits Anfang Juli dem Verteidigungsminister vorgelegt werden. Die Umsetzung wird bei der Flotte dann ein neuer Befehlshaber übernehmen müssen. Vizeadmiral Hans-Joachim Stricker geht am Dienstag in den Ruhestand. Seine Nachfolge wird Konteradmiral Manfred Nielson in Kiel antreten.

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